Ist Histaminintoleranz eine Krankheit?
Als ich die Diagnose Histaminintoleranz bekam, dachte ich zuerst: Endlich weiß ich, welche Krankheit ich habe. Doch je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, desto häufiger bin ich auf die Aussage gestoßen, dass Histaminintoleranz eigentlich gar keine klassische Krankheit ist.
Aber was bedeutet das?
Nach heutigem Wissensstand wird Histaminintoleranz eher als Störung des Histaminstoffwechsels oder als Nahrungsmittelunverträglichkeit angesehen. Das bedeutet, dass der Körper Histamin – einen natürlichen Botenstoff, der auch in vielen Lebensmitteln vorkommt – nicht ausreichend abbauen oder verarbeiten kann.
Dadurch kann es zu Beschwerden wie Kopfschmerzen, Hautrötungen, Verdauungsproblemen oder Herzklopfen kommen.
Lange Zeit wurde angenommen, dass ein Mangel des Enzyms Diaminoxidase (DAO) die Hauptursache ist.
Histaminprobleme sind deutlich komplexer Neben einer verminderten DAO-Aktivität können auch eine erhöhte Histaminfreisetzung im Körper, die Aktivität weiterer histaminabbauender Enzyme, die Darmgesundheit, hormonelle Einflüsse oder bestimmte Medikamente eine Rolle spielen. Deshalb ist Histaminintoleranz weit mehr als nur ein DAO-Mangel. |
Testverfahren Fehlanzeige
Es gibt bislang keinen eindeutigen Test, mit dem sich eine Histaminintoleranz sicher nachweisen lässt. Deshalb wird die Diagnose meist anhand der Beschwerden, einer ausführlichen Anamnese und dem Ausschluss anderer Erkrankungen gestellt. Für mich war das zunächst ziemlich überfordernd, weil man auf so viele Dinge achten muss.
Finanzielle Belastungen
Ein Punkt, über den meiner Meinung nach viel zu wenig gesprochen wird, sind die Kosten, die Betroffene oft selbst tragen müssen. Gerade weil Histaminintoleranz nicht als klassische Krankheit anerkannt ist, werden Untersuchungen, Ernährungsberatungen oder bestimmte Behandlungen selten von den Krankenkassen übernommen.
Dazu kommt, dass viele Betroffene auf Nahrungsergänzungsmittel angewiesen sind. Ob DAO-Kapseln, Vitamine oder andere Präparate – vieles kann im Alltag helfen, geht aber ganz schön ins Geld. Die meisten dieser Produkte müssen aus eigener Tasche bezahlen werden, weil sie in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen werden.
Ich finde, das ist ein Thema, das mehr Aufmerksamkeit verdient. Denn wer jeden Monat Geld für seine Ernährung und unterstützende Präparate ausgibt, merkt schnell, dass Histaminintoleranz nicht nur körperlich, sondern auch finanziell belastend sein kann.
Fazit
Ob man es Krankheit oder Störung nennt, macht für den Alltag kaum einen Unterschied. Die Beschwerden sind real und können die Lebensqualität deutlich einschränken. Einen Unterschied macht es jedoch, ob diese Störung als Krankheit anerkannt wird – denn das kann darüber entscheiden, welche Leistungen von den Krankenkassen übernommen werden und welche Kosten Betroffene selbst tragen müssen. Für viele bedeutet das nicht nur eine körperliche, sondern auch eine finanzielle Belastung, die im Alltag oft unterschätzt wird.
Fehlendes Verständnis
Hinzu kommt, dass Betroffene häufig auf wenig Verständnis stoßen. Weil man ihnen ihre Beschwerden oft nicht ansieht und Histaminintoleranz noch immer wenig bekannt ist, werden die Symptome oft heruntergespielt oder als Einbildung abgetan. Dabei verläuft Histaminintoleranz bei jedem Menschen anders. Was der eine problemlos verträgt, kann beim anderen starke Beschwerden auslösen. Genau diese Individualität macht die Störung so schwer greifbar – und zeigt, wie wichtig es ist, den eigenen Körper ernst zu nehmen und nicht ständig Vergleiche mit anderen Betroffenen anzustellen.
Mein Rat:
Lass deine Symptome ärztlich abklären, damit du diverse Krankheiten ausschließen kannst. Und höre auf DICH und DEINEN Körper! Mit einer guten Begleitung lässt sich oft herausfinden, was dir guttut – und was nicht. Und Schritt für Schritt kannst du auch wieder zu mehr Lebensqualität finden 💛.
